Shabnam Sarshar: Die Rolle pflanzlicher und cannabinoidbasierter Therapien für die Gesundheit von Frauen
2 min Lesezeit

Frauengesundheit wird zunehmend als nächster großer Wachstumsmarkt bezeichnet. Wo liegt der tatsächliche ungedeckte Bedarf, und welche Rolle können pflanzliche und cannabinoidbasierte Therapien glaubwürdig spielen?
Frauen sind keine Nische. Wir sind die unsichtbare Mehrheit.
Wir stellen die Hälfte der Bevölkerung, doch nur 1 % der Forschung und Innovation im Gesundheitswesen entfällt auf frauenspezifische Erkrankungen außerhalb der Onkologie (McKinsey Health Institute, 2024). Frauen verbringen 25 % mehr ihrer Lebenszeit bei schlechter Gesundheit als Männer. Nirgends ist diese Unsichtbarkeit größer als in der Lebensmitte.
Ein realer, bislang ungedeckter Bedarf, der alle Frauen betrifft, ist eine Übergangsphase, die die Medizin weiterhin als Nebensache behandelt: die Perimenopause und die Menopause.
Die Menopause ist kein Niedergang. Sie ist eine biologische Neukalibrierung von Gehirn, Immunsystem und Stoffwechsel. Dennoch wird sie noch immer wie eine Liste von Symptomen behandelt und allzu oft mit „Das ist eben das Alter“ abgetan.
Die Kosten dieser Unsichtbarkeit lassen sich messen.
- Deutschland: Ein Viertel der Frauen mit Beschwerden hat die Arbeitszeit reduziert, 31 % waren krankgeschrieben. Nur 15 % fühlen sich von ihrem Arbeitgeber unterstützt (MenoSupport, 2023).
- Portugal: Rund 1,2 Millionen Frauen befinden sich derzeit in der Menopause. 63 % sagen, dass sie ihre Arbeit beeinträchtigt, und 68 % verbergen oder ertragen ihre Beschwerden (Médis, 2025).
Es ist die Mehrheit, die diese Last im Stillen trägt – auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, ihrer Führungsverantwortung und ihrer Kaufkraft.
Welche Rolle können pflanzliche und cannabinoidbasierte Therapien glaubwürdig spielen?
Eine echte – wenn wir ehrlich sagen, wo die Evidenz steht.
Die Hormontherapie ist bei vielen Beschwerden nach wie vor die wirksamste Behandlung, aber nicht für jede Frau die Antwort. Manche können sie nicht anwenden, andere entscheiden sich dagegen. Wieder andere leiden trotz Hormontherapie weiter unter Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Schmerzen und Konzentrationsproblemen („Brain Fog“). Hier können Phytotherapie und cannabinoidbasierte Medizin die Standardversorgung ergänzen.
Die Biologie rechtfertigt die Frage. Das Endocannabinoid-System ist eng mit Östrogen verknüpft. Studien deuten darauf hin, dass Östrogen an der Regulierung von FAAH beteiligt ist, dem Enzym, das Anandamid abbaut – eines der körpereigenen Cannabinoide. Wenn der Östrogenspiegel schwankt, kann sich auch dieses System verändern. Frauen handeln bereits danach: Viele Frauen in der Lebensmitte geben an, Cannabis gegen Schlaf- und Stimmungsprobleme zu verwenden (Menopause, 2022).
Doch Glaubwürdigkeit erfordert Ehrlichkeit. Belastbare klinische Studien zur Menopause gibt es noch nicht, und geschlechtsspezifische Dosierungen werden selten untersucht. Mehrere gut konzipierte Studien zu Frauenerkrankungen, darunter Endometriose, verliefen negativ. Formulierung, Applikationsweg und Patientinnenauswahl sind von enormer Bedeutung.
Genau darin liegt die Chance für unsere Branche. Portugal ist Europas größter Exporteur von medizinischem Cannabis, Deutschland sein größter Abnehmer. Das Angebot ist da. Was fehlt, sind frauenspezifische Forschung, standardisierte, hochwertige pflanzliche Ausgangsstoffe und die Schulung der Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie der Apothekerinnen und Apotheker, denen Frauen vertrauen.
Frauen sind die unsichtbare Mehrheit. Die Unternehmen, die sich entscheiden, sie zu sehen – mit Wissenschaft statt mit Slogans –, werden das nächste Jahrzehnt dieser Branche prägen.